Handelswege/Lieferengpässe: Allgemein

Börse & Wirtschaft, Terrormeldungen & Ausschreitungen, Unruhen und Militärisches..
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#61 Engpässe nun auch bei chemischen Produkten… Zusammenbruch der globalen Lieferketten

Zusammenbruch der globalen Lieferketten – Leere Regale wegen AdBlue-Krise?

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Es kracht an allen Ecken und Enden der Lieferketten. Seit Wochenblick Ende April erstmals vor den Folgen des Zusammenbruches von Lieferketten warnte, zeichnet sich dieser immer deutlicher ab. Nach verschiedenen Roh- und Baustoffen sowie Computerchips, die schwer lieferbar bzw. überteuert waren, kamen dann auch noch Aluminium und Magnesium hinzu, weil die Lieferungen aus China ausbleiben. Aufgrund der extrem hohen Gaspreise wird nun auch die Produktion chemischer Produkte und hier vor allem die Düngemittelproduktion zurückgefahren. Zu unrentabel. Das wirkt sich wiederum auf viele andere Branchen negativ aus. So ist derzeit ein Engpass beim Dieselzusatz „AdBlue“ zu beklagen, der womöglich den LKW-Frachtverkehr zum Erliegen bringen könnte. Zu Engpässen bei Lebensmitteln könnte neben der Düngerknappheit auch noch der Fischereistreit zwischen Großbritannien und Frankreich beitragen. Und die weltweiten Staus der Containerschiffe vor den Häfen werden sich noch bis Ende 2022 auswirken, meinen Experten. Denn „jetzt werden sogar die Schiffe knapp“.
  • Mangel an Roh- und Baustoffen schon seit dem Frühjahr
    Kein Magnesium aus China: Produktion von Aluminium und Stahl massiv beeinträchtigt
    Chemische Produktion, v.a. Düngemittel, reduziert wegen hohem Gaspreis
    Zu wenig Ammoniak wegen gedrosselter Düngerproduktion bewirkt Knappheit an Diesel-Zusatz AdBlue – Gefahr für LKW-Logistik
    Fischereistreit zwischen Frankreich und Großbritannien verschärft angespannte Situation weiter
    Weltweite Staus von Containerschiffen gefährden globale Lieferketten
Die fatalen Folgen der verfehlten Corona-Politik schlagen sich immer deutlicher auf das Funktionieren der Lieferketten nieder. Anfang Oktober berichtete Wochenblick über die Logistikprobleme in Großbritannien, wo aufgrund des Brexits viele Fahrer aus Osteuropa einfach wegfielen. Die Produkte waren zwar vorhanden, die Regale blieben aber trotzdem leer.

Leere LKW-Tanks – leere Regale

Ähnliches könnte nun auch die Knappheit des Dieselzusatzes AdBlue in unseren Breiten bewirken. „Alle bestehenden Großhersteller haben ihre Ware kontingentiert, einige haben die Erzeugung aber auch komplett eingestellt. Zusätzlich häufen sich Anfragen aus dem Ausland massiv und drücken weiter auf die Verfügbarkeit von AdBlue“, erklärte Andreas Obereder, Geschäftsführer der Obereder GmbH, die laut eigenen Angaben führender Lieferant für den Treibstoffzusatz ist.

Kein Ammoniak wegen hoher Gaspreise

Für die Herstellung des Diesel-Zusatzes wird Ammoniak benötigt. Für die Produktion von Ammoniak ist wiederum Erdgas erforderlich, weswegen auch hier die Produktion aufgrund der extremen Preise teilweise zurückgefahren oder eingestellt wurde. Dies wirkt sich zum einen auf den erwähnten Diesel-Zusatz aus, zum anderen auf längere Sicht aber auch auf die Lebensmittelpreise, so sich dieser Trend fortsetzt.

Verhärtete Fronten im Fischereistreit

Probleme bei der Verfügbarkeit und auch deutlich höhere Preise von Lebensmitteln könnte auch der andauernde Streit zwischen Großbritannien und Frankreich bezüglich der Fischereirechte nach sich ziehen. Am Rande des G20-Gipfels konnten sich Boris Johnson und Emmanuel Macron erneut nicht darüber einigen, ob französische Fischer in britischen Hoheitsgewässern ihre Netze auswerfen dürfen. Die französischen Fischer hätten die garantierten Lizenzen nicht bekommen, so der Vorwurf von französischer Seite. Die Briten drohen nun mit der Festsetzung von französischen Fischkuttern und die Franzosen wiederum wollen Boote und LKWs der Briten stärker kontrollieren. Das dürfte den Warentransport via LKW wohl kaum beschleunigen.

Selbst Containerschiffe werden knapp

Großen Einfluss auf das Funktionieren der Lieferketten hat der weltweite Containerschiffsverkehr. Doch seit einigen Wochen staut es sich in den Häfen Chinas der USA und auch Europas. So warten laut den letzten Zahlen knapp 100 Containerschiffe vor den Häfen von Los Angeles und Long Beach, den beiden wichtigsten Häfen der USA. Ein Warenwert von 24 Milliarden Dollar wartet dort auf Abfertigung laut Medienbericht. In China haben die Behörden immer wieder Häfen aufgrund von Corona-Maßnahmen abgeriegelt. Im Juli wurde der Hafen von Yantian besperrt im August der Hafen von Ningbo vor Schanghai. Aufgrund eines Taifuns Anfang Oktober wurden die Häfen erneut für einige Tage geschlossen.

Auswirkungen zumindest bis Ende 2022

Insgesamt liegen derzeit 37,3 Prozent der weltweiten Containerflotte vor Anker oder warten in Häfen, ein Rekordwert. Vom Sportschuh bis zu Computer-Bauteilen wird alles von solchen Ozeanriesen transportiert. Experten gehen erst Ende 2022 von einer Entspannung aus, allerdings auch nur dann, wenn es zu keinen weiteren Störungen in den Häfen kommt.

Besonders betroffene Branchen

In der Autoindustrie klagen 91,5% der Firmen über Engpässe, im Maschinenbau über 80% und in der Chemie-Industrie sind es 57%. Beim Verarbeitenden Gewerbe ist die Getränkeindustrie zwar am wenigsten betroffen, doch auch dort leidet rund ein Drittel der Unternehmen. Im Bausektor berichteten im August rund 38% der Firmen von Engpässen, laut einem Bericht auf der Seite des Ifo-Instituts.

Neben den Lieferproblemen bei Computerbauteilen gibt es diese auch bei Stahl, Kupfer, Magnesium und Aluminium. Ebenso bei Holz, elektronischen Bauteilen, Kunststoffen sowie Verpackungsmaterialien und noch vielem mehr.
https://www.wochenblick.at/zusammenbruc ... lue-krise/
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#62 Fahrradhändler, Baumärkte, Elektronik: Bis zu 38 Milliarden Euro: Lieferengpässe kosten deutsche Unternehmen ein Vermöge

Fahrradhändler, Baumärkte, Elektronik: Bis zu 38 Milliarden Euro: Lieferengpässe kosten deutsche Unternehmen ein Vermögen (2021-11-02)

Wenn die deutsche Industrie könnte, wie sie wollte, dann würden die Bänder Tag und Nacht kaum stillstehen. Die Auftragsbücher sind voll, doch es fehlt an den nötigen Rohstoffen und Zwischenprodukten. Das Ifo-Institut hat jetzt ausgerechnet, wie viel Geld den Firmen entgeht.

Magnesium, Silizium, Halbleiter, Holz, Erdgas, Öl, Kunststoffe… die Liste der Rohstoffe und Zwischenprodukte, die der deutschen Industrie derzeit komplett fehlen oder wegen eines Mangels auf dem Weltmarkt irrwitzige Preise erreicht haben, ist lang. Im September klagten 77,4 Prozent der Industriefirmen über Engpässe und Probleme bei der Beschaffung von Rohstoffen und Vorprodukten. Das wirkt sich bis in den Handel aus: Im Oktober meldeten 74 Prozent der Einzelhändler, dass ihre Bestellungen nicht mehr vollständig geliefert würden. Am stärksten betroffen sind Fahrradhändler, Baumärkte und Läden für Elektronik.

Für Kunden ist das erst einmal ärgerlich. Sie müssen auf Waren länger warten oder gar ganz verzichten. Für Arbeiter kann es schon ans Geld gehen. So mussten etwa viele Autobauer und -zulieferer wegen des Mangels an Halbleitern im Sommer zeitweise Werke schließen und Kurzarbeit beantragen. Für den Winter drohen ähnliche Szenarien in der Metall-Branche. Weil China seine Magnesium-Produktion bis Jahresende stark herunterfährt, könnte der hiesigen Industrie das Element bis Ende November ausgehen.

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#63 Schwierige Lage für Drucker und Verleger: Preise für Papier steigen weiter kräftig

Schwierige Lage für Drucker und Verleger: Preise für Papier steigen weiter kräftig (2021-11-03)

Das Geschäft mit Büchern, Zeitschriften oder Zeitungen wird angesichts explodierender Papierpreise immer schwieriger. Die Verleger hoffen nun auf die Koalitionsverhandlungen.

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Auf dem Papiermarkt steigen die Preise weiterhin rasant. Vor allem Rohstoffe wie Altpapier oder Zellstoff, die zur Papierherstellung notwendig sind, verteuerten sich »überdurchschnittlich«, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Demnach haben sich die Großhandelspreise für gemischtes Altpapier im September 2021 mit einem Plus von gut 222 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat mehr als verdreifacht.

Papier- und Pappe-Reststoffe waren im Großhandel zuletzt um 147 Prozent teurer. Aus dem Ausland importiertes Altpapier kostete ebenfalls deutlich mehr: Die Einfuhrpreise lagen um 75 Prozent über denen im September 2020. Auch Holz- und Zellstoff, der nach Angaben des Bundesamtes »von Toilettenpapier bis Schreibpapier« ebenfalls ein wichtiger Rohstoff zur Papierherstellung ist, kostete bei Einfuhr knapp 46 Prozent mehr als im Vorjahresmonat.

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#64 Harnstoff-Mangel für Diesel-Lkw: Verkehrsminister Scheuer warnt vor unterbrochenen Transportketten

Harnstoff-Mangel für Diesel-Lkw: Verkehrsminister Scheuer warnt vor unterbrochenen Transportketten (2021-11-04)

Die Probleme der deutschen Wirtschaft nehmen kein Ende: Führende Harnstoffproduzenten haben die Produktion gedrosselt, doch ohne den »AdBlue« genannten Zusatzstoff können viele Lastwagen bald nicht mehr fahren.

Die Versorgungsprobleme der deutschen Wirtschaft reißen einfach nicht ab. Nach der Holz-, Baustoff- und Chipknappheit haben es Speditionen nun mit einer kritischen Verknappung des Harnstoffnachschubs zu tun.

Der Mangel des aus Harnstoff bestehenden Abgasreinigungsmittels AdBlue im Transportgewerbe hat Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer alarmiert. »Wir haben die Lage genau im Blick und nehmen die Warnungen der Logistiker sehr ernst«, sagte der CSU-Politiker dem »Handelsblatt« (hier geht es zum vollständigen Bericht). »Oberstes Ziel muss es sein, unsere Lieferketten weiter am Laufen zu halten.«

Er unterstütze den Vorschlag der Branche nach einem runden Tisch im Wirtschaftsministerium, um schnell Abhilfe zu schaffen, sagte der geschäftsführende Minister. »Die internationalen Transportketten sind durch Corona immer noch sehr angespannt. Dass Teile des Straßentransports durch einen Rohstoffmangel ausfallen, können wir uns da einfach nicht leisten.«

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#65 Preise fallen, Alarm vorbei? China fährt Magnesium-Fabriken wieder hoch

Preise fallen, Alarm vorbei? China fährt Magnesium-Fabriken wieder hoch (2021-11-05)

Um Energie zu sparen, stoppt Peking Produktion und Export von Magnesium. Nach dem Chipmangel bahnt sich die nächste Krise an. Industrieverbände warnen: Zum Jahresende drohten Produktionsausfälle und Schließungen von Autowerken. Es scheint anders zu kommen, aber der Stress bleibt.

Vor wenigen Wochen Alarmstimmung: Nach der Chip-Bombe soll im November die Magnesium-Bombe platzen, warnen ein Dutzend europäischer Wirtschaftsverbände in einer gemeinsamen Erklärung. Nachdem bereits Halbleiter aus China fehlen, kappt der weltgrößte Lieferant im September auch noch die Versorgung mit dem für die weltweite Aluminiumproduktion wichtigen Mineral - wegen Energieknappheit und um die eigenen Klimaziele zu erreichen. "Die jetzigen Magnesiumvorräte in Deutschland, beziehungsweise in ganz Europa, könnten spätestens Ende November 2021 erschöpft sein", verbreitet der deutsche Wirtschaftsverband Metall Endzeitstimmung.

Durch den Versorgungsengpass drohten "massive Produktionsausfälle". Im schlimmsten Fall müssten Autobauer noch dieses Jahr Werke schließen. Es seien dringend Gespräche geboten, so der Appell an die Politik. Dreht Peking der Welt nach Chips bei Magnesium den Hahn zu und muss Europas Industrie deshalb dichtmachen, weil Nachschub aus China fehlt, wie die Verbände befürchten?

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#66 Diese Gefahr übersehen alle! Leere Regale im Winter?

Ist das deren Ernst? In England werden leere Regale mit Plakaten der jeweiligen Produkte kaschiert, die dort eigentlich ihren Platz haben. Kommt dieser Horrorvorstellung auch nach Deutschland? Erleben wir das gleiche Szenario wie letztes Jahr? Wir haben einige Schlagzeilen für Sie, die Sie umhauen werden. Jetzt heißt es vorbereiten aber selbstverständlich mit Kopf und Verstand.



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#67 Ware wird knapp: Lieferengpässe treffen nun auch Baumärkte

Ware wird knapp: Lieferengpässe treffen nun auch Baumärkte

In vielen Bereichen müssen Verbraucher aufgrund von Lieferengpässen aktuell mit knappen Produktpaletten rechnen. Das trifft nun auch auf ein besonders beliebtes Ziel zu: Bau- und Gartenmärkte. Dort begrenzen Händler bereits vereinzelt die Abgabemengen. Die Gründe für die Turbulenzen sind vielfältig.

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Die globalen Verwerfungen in den Lieferketten setzen Deutschlands Bau- und Gartenmärkte unter Druck. Es seien "noch einige Zeit deutlich spürbare Auswirkungen" für die Märkte zu befürchten, sagte der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Heimwerken, Bauen und Garten (BHB), Peter Wüst. "Viele Lieferanten kündigen gerade flächendeckend ihre Verträge mit den Handelspartnern und avisieren massive Preiserhöhungen und Lieferengpässe."

Vereinzelt begrenzten Händler Abgabemengen, "damit für alle Kunden Angebote vorhanden sind und nicht Einzelne ganze Warengruppen aufkaufen". Wird es teurer für Verbraucher? Der Verbandsvertreter betonte, dass die Branche "traditionell sehr preisbewusst" sei und weiter Wege finden werde, die Waren zu vergleichsweise attraktiven Preisen anzubieten. Ein Sprecher der Baumarktkette Bauhaus sagte mit Blick auf die Lieferketten, die Lage sei "sehr dynamisch und angespannt". Man könne aber keine langfristige Aussage zu Lieferzeiten und Preisentwicklungen treffen.

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#68 Prognose der Bundesregierung: Lieferengpässe belasten Industrie nachhaltig

Prognose der Bundesregierung: Lieferengpässe belasten Industrie nachhaltig (2021-11-15)

Weltweit machen Lieferengpässe der Industrie zu schaffen, auch in Deutschland. Das Wirtschaftsministerium geht davon aus, dass diese auch im kommenden Jahr anhalten werden. Die Automobilindustrie trifft das besonders hart.

Die Bundesregierung rechnet nicht mit einem baldigen Ende der Lieferengpässe bei Vorprodukten und Rohstoffen. "Trotz des hohen Auftragsbestands dürfte die Industriekonjunktur bis in das kommende Jahr hinein gedämpft verlaufen", heißt es in dem Monatsbericht des Wirtschaftsministeriums. "Dies gilt insbesondere für die gewichtige Automobilindustrie, die unter einem Mangel an Halbleitern leidet." Trotz einer hohen weltweiten Nachfrage nach deutschen Waren sei das Verarbeitende Gewerbe somit nicht in der Lage, den Ausstoß in stärkerem Ausmaß hochzufahren.

Die Dienstleister profitierten zuletzt zwar von den vorgenommenen Corona-Lockerungen. "Angesichts des aktuellen Pandemiegeschehens haben die Risiken aber wieder zugenommen", warnte das Ministerium zugleich. Dennoch sollte die Dienstleistungskonjunktur im restlichen Jahr die Schwäche der Industrie ausgleichen können. "Insgesamt dürfte das Bruttoninlandsprodukt im Schlussquartal des Jahres jedoch nur noch geringfügig zulegen", erwartet das Ministerium. Im Sommer hatte es noch zu einem kräftigen Wachstum von 1,8 Prozent gereicht. Einige Ökonomen gehen sogar von einer Stagnation im laufenden vierten Quartal aus.

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#69 Güterkraftverkehr mit Fahrzeugen

Lastwagen-Fahrer werden immer knapper: Ist bald unsere Versorgung gefährdet?

Fernfahrer, das kann ein toller Beruf sein. Kai Schulze (47) aus Bestensee, der halb Europa unter die Räder genommen hat, schwärmt noch heute von einer Tour nach Dubrovnik über eine Autobahn in Kroatien, die ihm unvergessene Aussichten bot.

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© Bereitgestellt von Berliner Kurier

Fernfahrer, das kann auch ein furchtbarer Beruf sein. Schulze hat ihn Ende 2020 aufgegeben. Zu viel Stress, zu viel Druck, zu viele rücksichts- und verständnislose Autofahrer.

Wieder einer, der fehlt: Die Lücken in den Reihen der für die Versorgung von Verbrauchern und Wirtschaft so wichtigen Fahrer werden immer größer, und nach Darstellung von Verbandsvertretern wird es allmählich kritisch.

Rund 30.000 der etwa 540.000 Fernfahrer gehen jährlich in Rente, sagt Eberhard Tief (65), Geschäftsführer des LBBV Berlin Brandenburg, einem Verband, der 250 Unternehmen des Verkehrsgewerbes vertritt . „Mit Müh und Not kommen 15.000 neue Fahrer hinzu.“ Nur die Hälfte habe die dreijährige Ausbildung absolviert, der Rest seien Quereinsteiger.

In der Summe fehlten in Deutschland schon 60.000 bis 80.000 Fahrer, die im „genehmigungspflichtigen gewerblichen Güterkraftverkehr mit Fahrzeugen“ über 3,5 Tonnen eingesetzt werden können. Berlin und Brandenburg ständen mit einem Fehlbestand von bis zu 2000 Fahrern noch ganz gut da.

LBBV-Präsidentin Ramona Sabelus, die in Königs Wusterhausen das auf Krankenhaus-Logistik spezialisierte Unternehmen RS MediTrans und in Wildau die Spedition Walter Schmidt besitzt und führt, ergänzt: „Früher machten viele Männer bei der Bundeswehr den Lkw-Führerschein, da kommt seit der Abschaffung der Wehrpflicht nichts mehr.“

So schlimm wie in Großbritannien mit leeren Regalen und zeitweilig mangels Spritlieferung geschlossenen Tankstellen sei die Lage noch nicht, aber in wenigen Jahren dürfte die Situation ähnlich sein, sagt Tief. Was in Großbritannien wegen des Brexit und Corona binnen Wochen zu massivem Fahrermangel führte, sei in Deutschland ein schleichender Prozess. Schon jetzt fehlten in Supermärkten immer wieder mal Waren, was in den großen Sortimenten noch nicht weiter auffalle.

Im Online-Handel dagegen könnten Kunden das Problem auf ihrem Computerbildschirm sehen: Da würden Lieferfristen beispielsweise von drei bis sieben Tagen genannt, weil die Transportdauer schlecht kalkulierbar geworden sei. Denn Lieferanten könnten zwar fordern, dass eine Fuhre übermorgen am Ziel sein soll, aber immer häufiger heiße es dann vom Spediteur: „Nö. Nächste Woche.“

Auf die Preise habe das paradoxer Weise kaum Wirkung. Weil das eher kleinteilige Gewerbe vielfach mit Leasingfahrzeugen unterwegs sei, müssten Raten bezahlt werden – wegen der Konkurrenz beispielsweise aus Polen seit Jahren und aktuell wegen steigender Dieselpreise steht die Branche ohnehin unter Druck. Da nehme man Aufträge an, die sich eigentlich kaum rechnen. Die „Geiz ist geil“-Mentalität sei allumfassend, meint Eberhard Tief, Auftraggeber wollten höhere Speditionspreise nicht an ihre Kunden weitergeben.

Ohne höhere Einnahmen könnten die Fahrer auch nicht besser bezahlt werden, die in Berlin und Brandenburg um die 2200 bis 2300 Euro brutto plus Spesen verdienen. Ein Thema, das auch Kai Schulze umtrieb: 24 Euro Spesen pro Tag habe er in seiner Zeit als Fernfahrer pro Tag bekommen. „Das soll für Frühstück, Mittagessen, Abendessen, Dusch- und Toilettengebühren und gegebenenfalls für die Parkgebühr auf einem bewachten Autohof reichen.“ Französische Kollegen, die ausschließlich im Großraum Paris unterwegs waren, hätten ihm von 56 Euro pro Tag berichtet, die sie bekämen.

Die Arbeit verleidet haben ihm, der den Arbeitgeber gewechselt hat und jetzt Lagermeister von RS MediTrans ist, vor allem aber Zeitdruck und Stress: Autofahrer, die sich in engen Baustellen am Lastwagen vorbeiquetschen, sich abrupt vor den Lkw drängeln und dessen Bremsweg unterschätzen, im Überholverbotsbereich mit Tempo 70 vor dem Lkw herschleichen und den Zeitplan verwüsten, die Angst, trotz vieler Spiegel und Abbiegeassistent einen Radfahrer zu erfassen, anstrengende Nachtfahrten - das reichte ihm und konnte die Annehmlichkeit des Berufs mit relativer Freiheit und ohne Chef, der ständig reinreden kann, nicht ausgleichen.

Dazu kommt ein Problem, das Eberhard Tief in Zahlen fasst: 30.000 Lkw-Parkplätze fehlten bundesweit, obwohl durch das Drängen der Branchenvertreter seit den Zeiten Peter Ramsauers (CSU) als Verkehrsminister (2009-2013) schon Besserung eingekehrt sei. Fahrer hätten große Mühe, nach den 4,5 Stunden maximaler Lenkzeit für die vorgeschriebene Pause, nachts oder sonntags, wenn die Brummis nicht fahren dürfen, einen Platz zu finden.

Kai Schulze: „In Frankreich sind die Parkplätze viel größer, die Raststätten besser. Hierzulande hält man dann notfalls in einem Gewerbegebiet nahe der Autobahn, ohne Toilette, ohne Dusche, ohne Möglichkeit einzukehren.“ Manche Kollegen schlügen sich dann für menschliche Bedürfnisse in die Büsche oder hinterließen Müll, was das Bild des Fernfahrers insgesamt beschädige. Die seien, so meint Tief, ohnehin schlecht angesehen: „Alle brauchen den Lastwagen und seinen Fahrer, aber keiner mag sie.“

Noch nicht erfüllt sei der Wunsch der deutschen Branche, dass ausländische Lkw für Parkplätze bezahlen müssen, erläutert Tief. Wenigstens sei es aber gelungen, über die EU durchzusetzen, dass Lkw ausländischer Firmen nicht dauerhaft in Deutschland stationiert sein dürfen, sondern nach acht Wochen für das Land verlassen müssen.

Ausländische Fahrer müssen nach drei Wochen raus. Theoretisch bestünde die Möglichkeit, dass ein Lastwagen kurz über eine Grenze fährt und sofort zurückkehrt, sagt der Geschäftsführer. Praktisch aber würden die Fahrer dann für ein Wochenende nach Hause fahren, und der Lkw sei von den deutschen Straßen weg.

Hausgemacht sei ein letztes Defizit: Selbst innerhalb des Gewerbes werden Fernfahrer schlecht behandelt. Ein paar Minuten zu spät, und man wird an großen An- und Auslieferungszentren einfach nicht mehr abgefertigt, berichtet Tief. Fahrer würden zum Be- und Entladen genötigt, dafür gebe es keine Duschmöglichkeiten, kein Angebot, einen Kaffee zu trinken oder etwas zu essen.

„Manchmal ist sogar der Toilettenbesuch ein Problem, die Leute werden behandelt wie Kulis.“ Deshalb versuche sein Verband, Höflichkeit im Umgang mit den Fahrern durch Lob zu fördern. 2020 wurde beispielsweise der Handelshof Cottbus für sein Engagement für die Fernfahrer ausgezeichnet.

Verbandspräsidentin Ramona Sabelus will das Bild des Fernfahrers nicht schwarzmalen: „Während osteuropäische Fahrer teilweise acht Wochen lang nicht nach Hause kommen, sind unsere 40 Fahrer in aller Regel am Wochenende daheim.“ Die Arbeitsplätze hinter dem Steuer seien sehr gut ausgestattet: Klimaanlage, Fernsehapparat, Freisprechanlagen für das Flatrate-Telefonat mit der Familie, in der Schlafkoje ein Lattenrost-Bett.

Der vielfach beklagte Zeitdruck für die Fahrer sei gewichen: Neun Stunden darf ein Fahrer längstens am Tag am Steuer sitzen, und seit der Einführung des digitalen Tachografen, der Lenk- und Ruhezeiten speichert, sei die Möglichkeit weg, die Daten zu manipulieren. Früher seien die Pappscheiben, auf denen die Zeiten aufgezeichnet wurden, einfach mal gewechselt worden, und es wurde länger gefahren als erlaubt.

Mittlerweile hätten die Verbände sogar ein medizinisches Sonderprogramm organisiert, um den Beruf attraktiver zu machen – „DocStop“. Wird ein Fahrer auf Tour in Deutschland krank oder bekommt Zahnschmerzen, wird er von seinem Lastwagen abgeholt, zum Arzt gebracht und gegebenenfalls wieder zurück.



MfG Utopia
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#70 Produktion kommt nicht hinterher: Lieferengpässe belasten Mittelstand

Produktion kommt nicht hinterher: Lieferengpässe belasten Mittelstand (2021-11-28)

Von dem pandemiebedingten Absturz 2020 hat sich die deutsche Wirtschaft in weiten Teilen erholt. Doch weil Rohstoffe fehlen, kommt die Produktion kaum noch hinterher und die Preise steigen. Auch nächstes Jahr ist eine schnelle Besserung nicht in Sicht.

Lieferengpässe und steigende Materialkosten werden zunehmend zur Last für Deutschlands Mittelständler. Zwar haben sich die Auftragsbücher vieler Unternehmen nach dem Corona-Tief wieder ordentlich gefüllt, aber weil Vorprodukte oder Rohstoffe fehlen, kommt die Produktion nicht hinterher.

In einer Umfrage der DZ Bank gaben zwei von drei Mittelständlern (65 Prozent) an, dass sie eingehende Aufträge derzeit nur mit Zeitverzögerung abarbeiten können. Mehr als jedes vierte mittelständische Unternehmen in Deutschland (28 Prozent) sieht sich demnach mittlerweile gezwungen, wegen fehlender Waren Kundenaufträge abzulehnen. "Zusammen mit dem Fachkräftemangel sind Materialsorgen und Preisdruck mittlerweile die größten Wachstumshürden", fasste der Firmenkundenvorstand der DZ Bank, Uwe Berghaus, die Ergebnisse der Umfrage unter 1000 Unternehmen zusammen. "Die neue Regierung täte gut daran, so bald wie möglich für Entlastungen zu sorgen."

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